Trainingsparadies für künftige Radsportweltmeister
Für die 1,07 Millionen Euro teure Sanierung der Radrennbahn bei Groß Lindow war jahrelang gekämpft worden. Nicht nur Kinder können jetzt sicherer üben. Weitere Pläne stehen in Aussicht.
- Märkische Oderzeitung Frankfurt (Oder)
- 26 September 2026
- Von Frank Groneberg Service: Die Anfahrt zur Radrennbahn erfolgt von Groß Lindow aus über die verlängerte August-Bebel-Straße.

Ein großer Tag für den Radsport: Tino Buchholz, Leiter des Sportzentrum Frankfurt (Oder), und René Weiner (r.), Bürgermeister von Groß Lindow, schneiden auf der sanierten Radrennbahn bei Groß Lindow das Band durch. Der Nachwuchs des FRC 90 wartet auf den Start der Vereinsmeisterschaft.
Diesen Titel kann ihm niemand mehr nehmen: Arne Rietz aus Podelzig ist der erste Sieger eines Rennens auf der sanierten Radrennbahn bei Groß Lindow. Der Neunjährige vom Frankfurter Radsportclub 90 (FRC 90) reißt jubelnd einen Arm hoch, als er auf seinem Rennrad als Erster die Ziellinie überquert – und die Vereinsmeisterschaft in der Altersklasse U11 gewonnen hat.
„Ich bin sehr stolz darauf, dass ich heute gewonnen habe“, sagt der frisch gebackene Meister und ergänzt: „Die sanierte Bahn fährt sich sehr, sehr gut. “Sein (inoffizieller) Fahrradtachometer zeigt einen Spitzenwert von 48,6 km/h an. Und der spricht auf jeden Fall für die erneuerte Bahn. Denn vor der Sanierung wäre ein solch hohes Tempo auf der mit Rissen, Wurzelanhebungen und einigen Wurzelaufbrüchen bestückten Piste wohl kaum möglich gewesen.
Nicht nur für Arne und seine Vereinskameraden ist dieser Tag – der Tag der offiziellen Wiedereröffnung der Radrennbahn – ein Feiertag. Auch viele Freizeitsportler, Einwohner von Groß Lindow und Vertreter des Sportzentrums Frankfurt (Oder) sind zur Neueröffnung des 5000 Meter langen Asphalt-rundkurses, zu dem auch eine 600 Meter lange Sprintrunde gehört, gekommen. Und eine größere Anzahl „älterer“ Herren ab 40, die nach dem Nachwuchs das 46. „Old Men Race“ bestreiten werden.
Was heutzutage angesichts klammer Kassen fast sensationell klingt: Die öffentliche Hand hat in die Sanierung der Bahn, die 1977 als Trainingsstrecke der Straßenradsportler des ASK Vorwärts Frankfurt (Oder) eingeweiht worden war, insgesamt 1,07 Millionen Euro investiert. 80 Prozent der Kosten hat das Land Brandenburg mit Fördermitteln des Bundes getragen. Die restlichen 20 Prozent hat die Stadt Frankfurt (Oder) – die Bahn ist Teil des Sportzentrums Frankfurt (Oder) – finanziert.
Warum so viel Geld ausgegeben wurde für eine Asphaltrunde im Wald? „Wir können hier endlich wieder gefahrlos mit den Kindern und Jugendlichen trainieren“, nennt Dan Radtke, Geschäftsführer des FRC 90, einen wichtigen Punkt. Denn solange die Radrennbahn nicht nutzbar war, musste auch der Nachwuchs seine Trainingsfahrten im öffentlichen Straßenverkehr absolvieren – mit allen damit verbundenen Gefahren für die Mädchen und Jungen.
Mehr als zehn Jahre lang hatten Dan Radtke und seine Mitstreiter vom FRC 90 und vom Frankfurter Sportzentrum für eine Sanierung gekämpft. „Der Verein hat immer mal kleinere Reparaturen durchgeführt – aber irgendwann ging es
einfach nicht mehr“, erzählt der einstige Leistungssportler und WM-dritte, der seit Jahren auch die Oderrundfahrt organisiert.
Der erste Förderantrag für die Finanzierung einer Komplettsanierung war 2014 gestellt worden. Nach dessen Ablehnung wurden weitere Anträge gestellt, wieder und wieder. Und schließlich klappte es: Am 15. Dezember 2025, so informiert Tino Buchholz, Leiter des Eigenbetriebs Sportzentrum Frankfurt (Oder), ging der Zuwendungsbescheid bei der Stadt Frankfurt (Oder) ein.
Entstanden ist mit der mehrmonatigen Sanierung eine Top-bahn. Die 3,50 Meter breite Piste ist so glatt, dass sie nicht nur Radsportlern, sondern auch Freizeitradlern und Skatern hervorragende Bedingungen bietet. Und das Befahren durch „Nicht-profis“ ist auch erwünscht: Die Nutzung sei „für sportliche und regenerative Zwecke“ gestattet, heißt es auf einer Hinweistafel.
Und zwar ausschließlich für solche Zwecke. „Motorisierte Fahrzeuge jeglicher Art“ haben auf der Radrennbahn nichts zu suchen, wird deutlich gemacht. Dazu gehören im Übrigen auch Mopeds und E-Scooter. Spaziergänger und Läufer dagegen sind jederzeit willkommen.
Eine Bedingung für die großzügige Förderung war: Die Bahn muss für den Para-radsport geeignet sein. Das bedeutet, dass dort auch Radsportler mit körperlichen Einschränkungen fahren können – je nach Beeinträchtigung auf Zwei- oder Dreirädern, Handbikes oder Tandems. „Die Radrennbahn ist so gestaltet worden, dass auch diese Sportler hier ihr Straßentraining machen können“, versichert Dan Radtke.
Das „Old Men Race“ findet seit Jahrzehnten traditionell auf der Radrennbahn statt. Bei der 46. Auflage starten mehr als 50 Männer – so viele, wie schon lange nicht mehr. Mittelfristig könnten in Groß Lindow auch andere
Wettkämpfe stattfinden, sagt Dan Radtke und denkt neben Nachwuchsrennen auch an Rennen auf der 600 Meter langen Sprint-runde, die über die für hohes Tempo notwendigen starken Neigungen verfügt.
Vor allem aber ist die Bahn eine von jeglichem Kraftfahrzeugverkehr freie Trainingsstrecke. „Wir sind stolz darauf, dass wir hier vielleicht die künftigen Europa- und Weltmeister zum Training haben werden“, sagt Groß Lindows Bürgermeister René Weiner, bevor das symbolische Band durchgeschnitten wird.
Möglicherweise gehört eines Tages auch Arne Rietz zu den international erfolgreichen Radrennfahrern des FRC 90. Bis es so weit ist, muss der Neunjährige aber noch viel und fleißig trainieren. Und das seit dem 19. September 2026 auch auf der top-sanierten Radrennbahn bei Groß Lindow.
Artikel Name: Trainingsparadies für künftige Radsportweltmeister
Publikation: Märkische Oderzeitung Frankfurt (Oder)
Section:18 LOKALES
Author: Von Frank Groneberg Service: Die Anfahrt zur Radrennbahn erfolgt von Groß Lindow aus über die verlängerte August-Bebel-Straße.